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Die Bilanz – Teil drei – Thomas Zass
01.05.2014 08:57

Unsere Stars in Europa

Für den Tiroler Thomas Zass ging erst in der vergangenen Woche die griechische Volleyleague zu Ende. Mit Syros qualifizierte sich Zass souverän für die Playoffs und musste sich erst im entscheidenden fünften Halbfinale gegen Titelfavorit Olympiacos aus dem Titelrennen verabschieden. Kaum zurück in Österreich, sprachen wir mit Zass über die abgelaufene Saison, griechische Besonderheiten und das Leben auf einer Insel!


ÖVV: Eine bewegte Woche liegt hinter Dir. Am vergangenen Mittwoch warst Du mit Syros noch im Einsatz. Weniger Tage später bist Du schon ins AUSTRIA Volleyballteam eingerückt...
Zass: Alles ist jetzt sehr schnell gegangen. Donnerstag kamen wir aus Athen zurück nach Syros. Freitag habe ich die Zelte in Syros abgebrochen und bin wieder nach Athen, um nach Österreich zurückzufliegen. Nach einem Tag zuhause ging es Montag nach Steinbrunn, wo eine Reihe von Tests am Programm standen. Ende der Woche habe ich immerhin noch einmal drei Tage frei bekommen, um meine Freundin in Paris besuchen zu können. Dann geht es bis zum Ende der CEV European League Schlag auf Schlag weiter.

Du hast Paris angesprochen. Syros war nach Paris und Friedrichshafen Deine dritte Auslandsstation. Wie fällt der Vergleich aus?
Rein sportlich ähnelt die Liga etwas der DVL. Die ersten fünf bis sechs Teams heben sich vom Rest ab. Ganz im Gegenteil zu Frankreich wo alles total ausgeglichen ist und niemand wirklich abfällt. Die Underdogs der griechischen Liga haben unter normalen Bedingungen gegen die Topteams eigentlich keine Chance zu gewinnen. Normal ist in den griechischen Hallen für österreichische Begriffe aber wenig. Die Fans sind oft unangenehm und versuchen alles, um dich zu stören und aus dem Rhythmus zu bringen. Über die Emotion schaffen es einige Teams immer wieder sich in einen Rausch zu spielen und technische und taktische Defizite in einzelnen Spielen wettzumachen.
In der Spitze ist Deutschland aber eindeutig über Griechenland zu stellen.

Wie sah Deine Rolle im Team aus?
In Paris waren die Erwartungen an mich relativ gering. Ich musste dennoch gleich von Beginn an viel Verantwortung tragen. Nach Friedrichshafen wollte ich unbedingt wieder mehr spielen. Das war jetzt auch absolut der Fall. Auch wenn der Druck hier wieder wesentlich größer war. Die Leute nehmen sich kein Blatt vor den Mund und lassen es Dich spüren, wenn sie unzufrieden mit dir sind. Mit diesen Druck bin ich in Summe aber recht gut zurechtgekommen. Auch wenn man sich nach schlechten Spielen oft "auf der Insel gefangen fühlt" und sich wünschen würde, mal schnell mit dem Auto nach München oder Zürich fahren zu können.

Das ist aber auch ein Zeichen des großen Stellenwerts des Sports...
Und das merkt man auch ständig. Die Spiele werden im Fernsehen übertragen. Wenn man nach dem Match noch was essen geht, weiß jeder über das Ergebnis Bescheid und kennt deine Angriffswerte. Die Stimmung in den Hallen ist sowieso unglaublich. Im Halbfinale gegen Olympiacos haben 1.500 Fans mehr Stimmung, als über 8.000 in der Max-Schmeling-Halle in Berlin, gemacht. Einerseits unglaublich. Andererseits oft auch sehr grenzwertig.

Gibt es Erlebnisse, die Dir in dieser Hinsicht besonders in Erinnerung geblieben sind?
Das Cupfinale in Alexandropolis war ein solches. Zwischen den 500 AEK Fans und unseren Fans waren 150 Polizisten auf der Tribüne und haben versucht die Gruppen auseinander zu halten. Ich muss auch sagen, dass diese aufgeladene Stimmung etwas ansteckt. Zwischen den Spielern kommt es immer wieder zu Rangeleien. Gleich unser erstes Saisonmatch endete mit einer roten Karte gegen uns. Danach hat unser Teammanager den Schiedsrichter geohrfeigt und wurde drei Spiele gesperrt.

Wie bist Du generell mit den Leuten ausgekommen?
Vom Umfeld war ich ehrlich gesagt positiv überrascht. Wenn man etwas gebraucht hat, wurde einem sofort geholfen. Vom Trainerteam bis hin zur Wohnung hat alles super gepasst und ich kann mich überhaupt nicht beschweren. Obwohl viele Menschen wenig Geld haben, sind alle total bemüht und sehr nett.

Gibt es große Unterschiede im Lebensstil?
Man muss schon sagen, dass sich alles zeitlich nach hinten verlagert. Weniger hinsichtlich der Trainingszeiten, sondern vielmehr was das restliche Leben betrifft. Am Nachmittag haben die Geschäfte zu. Nach dem Training trifft man sich also entspannt zum Kaffeetrinken. Am Abend isst man viel später und ich habe das Gefühl, dass hier niemand vor zwei Uhr in der Früh schlafen geht. Das Leben ist eine Mischung zwischen Frankreich und Deutschland. Mir hat das grundsätzlich gut gefallen. Noch dazu wollte ich immer schon mal am Meer leben.

Mit allen Vor- und Nachteilen...
Sicher ist man irgendwie an die Insel gebunden. Wenn man weg will, muss man die Fähre nach Athen nehmen. Das hat sich für mich aber als sehr bequeme Art des Reisens herausgestellt. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich die Fähre dem Bus oder dem Flugzeug jedenfalls vorziehen. Man kann sich frei bewegen oder es sich auf Couches gemütlich machen. Restaurants und Kaffees stehen ebenfalls zur Verfügung. Die Horrorgeschichten von verwackelten Fahrten haben sich zum Glück überhaupt nicht bewahrheitet.

Ist Dir dann überhaupt etwas abgegangen?
Obwohl ich das griechische Essen sehr gut finde, wäre ein wenig mehr Abwechslung super gewesen. Alles ist sehr schwer und man isst eben meistens sehr spät. Eine gute Pizza oder Sushi habe ich schon vermisst.

In Deinen Zukunftsplänen dürfte das allerdings keine große Rolle spielen. Ist schon eine Entscheidung gefallen, wie es weitergeht?
Der Vertrag lief eine Saison und mit dem Verein bin ich danach so verblieben, dass wir uns im Sommer noch einmal unterhalten wollen. Grundsätzlich glaube ich aber, dass ich in diesem Jahr fast alles gesehen habe und ein zweites Jahr in Syros daher wesentlich weniger spannend wäre. Ich werde mich für die kommende Saison nach etwas Neuem umschauen. - STA


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